
1988
Auszug aus einem Interview von Tollwood-Initiator Uwe Kleinschmidt im allerersten Programmheft: Ist das Tollwood Festival auch als eine Art politische Kundgebung gedacht? – »Nein. Dieses Festival ist einfach kulturell notwendig. Es ist ein Beispiel dafür, dass Alternativen möglich sind.« Elf Tage dauert das erste Tollwood Festival.

1989
Der damalige Kulturreferent Siegfried Hummel schreibt im Grußwort: »Mit Tollwood ‘89 findet ein überaus erfolgreiches Experiment seine eindrucksvolle Fortsetzung.« Erstmals wird der Tollwood-Nachwuchsförderpreis verliehen. Es gibt fünf Zelte mit Kulturprogramm an 16 Tagen. Unter der Rubrik »Ökologie zum Anfassen« startet ein Umweltmarkt.

1990
Das Musikprogramm wird international. Wolfgang Ambros singt den »Zentralfriedhof« und Abdullah Ibrahim kommt mit seiner Band Ekaya ins Musikzelt. Hanns Dieter Hüsch gibt Böses von sich. Und der Regen regnet (fast) jeglichen Tag. Münchens Presse erfindet das »Tollwood-Wetter«.

1991
Im Sommer tritt ein gewisser Hubert von Goisern auf – ein Jahr später ein gefeierter Star auf allen Bühnen. Im Musikzelt gastieren Miriam Makeba, die EAV und Nina Simone. Erstmals gibt es ein »Festival der Regionen« mit Künstlern aus dem Ruhrgebiet, aus Köln, Hamburg und Niedersachsen.

1992
1992 schreibt erstmals Christian Ude als Bürgermeister das Grußwort als Schirmherr. Hans Söllner trägt nun Rastalocken, Joan Armatrading schmückt das Cover des Programmheftes, nach Haindling spielen Blood, Sweat & Tears. Und Tollwood entdeckt den Winter: Am Roncalliplatz, dort, wo heute die Pinakothek der Moderne steht, gibt es ein erstes Winterfestival. Die AZ lobt den Weihnachtsmarkt als »Münchens schönsten«.

1993
Ein Schwerpunkt und ein neues Genre prägen den Sommer: Jazz ist angesagt im Musikzelt, mit dem United Jazz + Rock Ensemble und dem Art Ensemble of Chicago. Ab 22 Uhr gibt es im Kulturpfadezelt Worldmusik; und mit »Gosh« kommt eine erste Gruppe des Nouveau Cirque auf Tollwood, ein Genre, das hier eine neue Heimat finden wird.

1994
Es wird einer der schönsten Sommer der Tollwood-Geschichte, wegen des Wetters und wegen eines gelungenen Experiments: Das Festival im Festival ist dem internationalen Aktionstheater gewidmet: mit »Semola« aus Spanien, »Nucleo« aus Italien und vor allem Générik Vapeur aus Marseille, die in einem grandiosen Straßenspektakel vom Marien- zum Odeonsplatz ziehen. Und der Winter gehört dem australischen Circus Oz, der für seine fulminante Show den AZ-Stern des Jahres einheimst.

1995
1995 wird der Olympiasee erobert. Die spanische Aktionstheatergruppe »Xarxa« illuminiert das Wasser von einer schwimmenden Bühne mit »Segel im Wind«. Aktionstheater bestimmt auch diesmal das Programm, dessen musikalisches Highlight Branford Marsalis ist. Im Winter zeigt Circus Oz sein zweites Programm. Es ist vom ersten Tag an ausverkauft.

1996
Und wieder gibt es ein Festival im Festival, diesmal mit zehn Gruppen des Nouveau Cirque aus acht Ländern. Der Jonglage-Meister Jérôme Thomas ist dabei und Johann Le Guillerm mit seinem Ein-Mann-Zirkus »Ici«. Und die Musik? Ist grandios vertreten durch Juliette Gréco, Jan Garbarek, Jackson Browne, John Lurie, Toto und Manfred Mann. Und im Winter kommt »Que-Cir-Que«, drei Menschen, ein Zirkus, ein Traum, eines der schönsten circensischen Ereignisse überhaupt.

1997
1997 regnet es fast durch, obwohl dieses zehnte Festival eine Woche länger dauert. Es steht wiederum im Zeichen des Zirkus, etwa mit Victoria Chaplin und ihrem »Cirque Invisible«. Doch der Weg führt weiter zum »physical theatre«, mit den Australiern von »Legs On The Wall« beispielsweise. Unvergessen bleibt die Persephone-Version von Robert Wilson auf der Bühne im Olympiasee. Die wahre Sensation fand dann im Winter statt: mit »Chaos Royal«, dem ersten großen En-Suite-Varieté der Tollwood-Geschichte, über das die SZ schrieb: »... so schlicht und so schön ...«

1998
Zehn Tanz-Compagnien aus aller Welt folgen der Einladung aufs Olympia-Gelände unter dem Motto »Europa trifft Asien«, darunter das Cloud Gate Dance Theatre aus Taiwan. Ein weiterer Schritt auf Neuland dann im Winter: Tollwood präsentiert als Eigenproduktion eine erste Oper: Mozarts »Entführung aus dem Serail« unter der Leitung von Markus Poschner. Regisseur Serge Aubry arbeitet als einer der ersten mit Video-Einspielungen. Ein großer Erfolg.

1999
Man könnte viel schreiben über die Höhepunkte dieses Jahres, über »Operation: Orfeo« aus Dänemark, über das erste Gastspiel von Familie Flöz mit »Ristorante Immortale«, oder über das Winter-Varieté mit den »Tiger Lillies« und ihrer traurig schönen Musik. Doch dann kam, in der letzten Woche des Jahres, »Lothar« über Tollwood, einer der stärksten Orkane des vorigen Jahrhunderts. Binnen Minuten war das Gelände ein Chaos aus zerfetzten Zelten und zerstörten Buden. Doch die Tollwood-Crew ließ sich nicht unterkriegen. Wolfgang Nöth stellte seinen »Zenith« zur Verfügung, zwei Tage nach dem Orkan spielten dort die »Tiger Lillies«, und die Silvesterparty fand dort statt, wo Lothar kurz vorher alles vernichtet hatte. Der Crew sei Dank!

2000
»Carmen« kommt auf Tollwood. In einer eigens für sie errichteten Stahlarena. Die französische Compagnie Off bringt Bizets Oper in einer wilden Kurzfassung auf das Olympiagelände. Dorthin finden auch Lou Reed, Huey Lewis & The News, Erkan & Stefan und Nina Hagen. Im Winter gibt es dann eine äußerst erfolgreiche erste Symbiose zwischen klassischer Musik und Varieté bei »Fatale Deluxe«.

2001
Ein Sommer mit Sonnenschein, 21 Tage blauer Himmel, das kann man so lassen. Dazu Konzerthighlights mit George Benson und dem unglaublichen David Byrne mit seinem »Look into the Eyeball«. Im Winter klingeln dann die Glöckchen, die Papageno mit sich führt auf der Suche nach Pamina – und Papagena. Mozarts »Zauberflöte« ist ein waghalsiges Experiment, doch Dirigent Markus Poschner macht daraus eine musikalische Delikatesse.

2002
Das Labyrinth ist Symbol dieses Sommers, der mit einem exquisiten Theaterprogramm lockt. Nur ein paar Namen: Teatro de los Sentidos, Compagnie 111, Compagnie du Hanneton, Avner Eisenberg, Les Poubelles Boys, Compagnie Jérôme Thomas. Im Winter 2002 endet nicht nur die grandiose Slava’s Snow Show mit einem Sturm – das Tollwood Festival wird ein zweites Mal Opfer eines Wintersturms.

2003
Es war der Sommer für alle, die Opel Kadetts hassen. Denn bei »Auto Auto« wurde allabendlich ein solcher kabarettistisch schrottreif geprügelt. Musik? Ja, mit Arlo Guthrie, Kool & The Gang, Toto, Saga, Yes und den Beach Boys. Alter schützt nicht vor gutem Sound. Der hat auch im Winter Konjunktur: bei der »GauklerSonate«. Mozart trifft Varieté, Wolfgang Staribacher als Wiedergeburt des wilden Wolferl, einer der größten Erfolge der Tollwood-Geschichte. Die Gastrostände des Festivals sind erstmals voll bio-zertifiziert.

2004
»Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt«, sagte Schiller. Unter diesem Motto kommt Johann Le Guillerm wieder mit seinem neuen »Cirque Ici«, Austria 3 sind zweimal ausverkauft. Der Winter ist vom zweiten Satz der Gauklersonate geprägt, Highlights gibt es auch im WörterSee mit Lesungen
von Schätzing bis Rafik Schami. Restlos ausverkauft: »Lukas Straßenkind«, das Puppentheater der Familie Ringsgwandl.

2005
Zum zweitenmal ist das spanische »Teatro de los Sentidos« zu Gast, nach »Oraculos« nun mit »La Memoria del Vino«. Und wieder lassen sich die Besucher von der interaktiven Dramaturgie in eine Zauberwelt entführen. Und im Winter fuhr Edgar Allan Poe gut 30 Mal zur Hölle in dem fantastischen Musical von Frank Nimsgern.

2006
Da ist die Welt zu Gast bei Freunden. Und weil die alle Fußball-Weltmeisterschaft schauen, ist auf dem Festivalgelände Beschaulichkeit angesagt. Man hat Platz, wirklich Platz, sogar im Andechser Zelt. Im Winter dann fürchten sich »Hänsel & Gretel« im Wald, respektive auf dem gigantischen Hügel im Opernzelt, in dem erstmals und mit großem Erfolg Sarah Wiener für das Gourmet-Menü sorgt. Helga Pogatschars neue Version von Humperdincks Opernmusik wird als Sensation gefeiert.

2007
Umwelt ist das große Thema in diesem Sommer. Ob das erfolgreiche Projekt »Bio für Kinder« oder die Präsentation eines Öko-Bauernhofs auf dem Festival, ökologisches Denken ist mittlerweile fest eingepflanzt in den Köpfen der Tollwood-Besucher. Das zeigt sich auch im Winter: Der neue Weltsalon mit vier Umwelt-Schwerpunkten in vier Wochen wird zum absoluten Highlight des Festivals.

2008
20 Jahre Tollwood – der runde Geburtstag brachte alte Bekannte und neue Freunde auf dem Sommerfestival zusammen. Herausragend dabei: die ausverkaufte Eröffnungsveranstaltung der Biermösl Blosn & Gerhard Polt sowie das Teatro de los Sentidos, das mit AZ Stern und TZ Rose ausgezeichnet wurde. Im Mai zog Tollwood eine positive Zwischenbilanz zum Projekt »Bio für Kinder«, das 2008 mehrfach ausgezeichnet wurde. Der Winter überraschte mit dem Fest-Menü des »Freibeuters der Küche« Stefan Marquard bei der Eigenproduktion Peter Pan, spannenden Diskussionen im Weltsalon und fast immer schönem Winter-Wetter.

2009
Mit der tanzbar, dem »Garten des friedvollen Drachen« und dem Bazarzelt Marrakesch gab es im Sommer 2009 viele neue Orte zu entdecken. Ein weiterer Publikumsmagnet: die Musik-Arena mit vielen ausverkauften Konzerten. Auf dem »Markt der Ideen« verstärkt Tollwood sein Engagement im Bereich Fair Trade und erklärt sich zur gentechnikfreien Zone. Ein himmlisch schönes und höllisch heißes Programm erwartete die Besucher im Winter. Vier internationale Theaterproduktionen aus Oper, Zirkus, Clownerie und Varieté spielten nahezu jeden Tag vor ausverkauften Haus. Mit seiner faszinierenden Gestaltung und Themen rund um das »Abenteuer Leben« begeisterte der Weltsalon zum dritten Mal in Folge das Tollwood-Publikum.

2010
Passend zum Motto »Blau, so blau« präsentierte sich der Himmel fast die gesamte Festivalzeit wolkenlos. Am Theaterplatz zeigten zwei traditionelle Zirkusfamilien ihr Leben vor und hinter der Bühne. Die Entdeckung des Sommers: Die Blue Note Lounge mit jungen Musikern, die mit den blauen Noten spielten.
Das Motto »Spuren« zeichnete den Weg des Winterfestivals 2010 - in Wort, Bild und Ton, in der künstlerischen Geländegestaltung und den zahlreichen Performances. Vier der derzeit spannendsten Nouveau Cirque-Compagnien aus der ganzen Welt waren zu Gast. Mit der Aktion »Kein Ausstieg vom Ausstieg« setzten Tollwood und seine Besucher ein Zeichen gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken.

2011
»Unerhört« viel Neues, Inspirierendes, Aufrüttelndes gab es auf dem Sommerfestival zu erleben. Die drei internationalen Compagnien der Reihe »Theater radikal« widmeten sich ungehörten Themen in der Gesellschaft. Der »Unerhört Pavillon« lud zu einer akustischen Weltreise ein. Und Stars wie Bryan Adams, Manu Chao oder Zaz begeisterten im großen Musikzelt. Im Winter wird den Besuchern allerhand »aufgetischt«. Neben »Cantina« aus Australien, der Variete-Verführung des Winters, und der fünften Auflage des Weltsalons gewährte Tollwood im »Aufgetischt-Pavillon« Einblicke in die versteckten Inhaltsstoffe von Lebensmitteln - und sammelte mit dem Partner Naturland 12.000 Unterschriften für mehr Öko-Landbau in Bayern.

2012
»Schöne Aussichten« im doppelten Sinne zeigt das Sommerfestival: Im großen Musikzelt begeistern Stars wie Lou Reed, Melody Gardot oder Jan Delay. Nachdenkliche Töne schlagen das artistische Vertikaltheater »As The World Tipped« zu den Folgen des Klimawandels oder die begehbare »Vorratskammer« zur Zukunft der Welternährung an. »Strom aufwärts« schwimmt Tollwood in diesem Winter: Das "E-Werk" widmet sich der Energie von heute und morgen, im Weltsalon erläutern Gäste wie Auma Obama oder Daniel Cohn-Bendit ihre Visionen für die Zukunft. Und im Grand Chapiteau gastieren vier Zirkusse aus vier Kulturen – Vietnam, Kolumbien, Marokko und Tschechien.





