6. Oktober 2018

18.000 Menschen bei der Großdemonstration „Mia ham’s satt!”

Mehr als deutlich: Unter dem Motto „Mia ham’s satt“ demonstrierten eine Woche vor der Landtagswahl 18.000 Menschen auf Münchens Straßen gemeinsam mit einem Bündnis aus über 80 Organisationen für eine ökologische, tiergerechte, bäuerliche Landwirtschaft und gesundes Essen, für nachhaltige Mobilität, für saubere Luft und Klimaschutz, lebenswerte Städte und den Erhalt unserer vielfältigen Kultur- und Naturlandschaft.

Von zahlreichen Traktoren und Motivwägen begleitet – unter anderem einer riesigen Betonwelle, einem Megastall-Laster und einem Pestizidsarg – bewegte sich der  Demonstrationszug mit Transparenten, Bannern und Fahnen vom Königsplatz über die Brienner Straße zum Odeonsplatz, von dort über die Ludwigstraße in die Theresienstraße und über die Arcisstraße zurück zum Königsplatz.

Bei der Kundgebung sprachen Dr. Norbert Schäffer (Landesbund für Vogelschutz e.V.), Moritz Angstwurm (BUNDjugend), Chris Methmann (Campact), Richard Mergner (BUND Naturschutz in Bayern e.V.), Gertraud Gafus (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft), Martin Haefeker (Europäischer Berufsimkerverband), Roman Kolar  (Deutscher Tierschutzbund), Helga Stieglmeier (AufgeMUCt), Bernadette Felsch (ADFC Bayern).

Zahlreiche Musiker unterstützten den Protest und spielten für die Demonstranten und ein besseres Leben in Bayern und der Welt live on stage: Schmidbauer & Kälberer, dicht&ergreifend, Hundling, Hans Well mit den Wellbappn und die Folkshilfe.

Statements des Trägerkreises

Josef Schmid, Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft

„Es geht um viel: um das Weiterbestehen der Bauernhöfe als Existenzgrundlage der bäuerlichen Familien, um die Lebensgrundlagen, Bodenfruchtbarkeit, Trinkwasser und gesunde Lebensmittel für die ganze Bevölkerung, und um faire Bedingungen und Chancen für die Menschen auf den anderen Kontinenten.“

Bernadette Felsch, ADFC Bayern e. V.

„Bayerns Städte ersticken im Verkehr. Lärm, schlechte Luft, Stress und Unfälle sind die unschönen Folgen der autozentrierten Verkehrspolitik. Ein Umdenken in der Verkehrsplanung ist überfällig. Nicht das eigene Auto für alle zu jeder Zeit an jedem Ort, sondern kurze Wege, ein guter und kostengünstiger ÖPNV, und sicherer und komfortabler Fuß- und Radverkehr sind der Schlüssel für ein lebenswertes Bayern! “

Richard Mergner, Bund Naturschutz in Bayern e. V.

„Die Heimat am Sonntag zu beschwören und am Montag zu zubetonieren, haben wir gründlich satt. Jetzt aufstehen für eine bäuerliche Landwirtschaft und gegen die Agrarindustrie, für die Erhaltung der Landschaft und gegen den Flächenfraß, für eine zukunftsfähige Mobilität statt Straßenbauorgien und Startbahn-Größenwahn.“

Stephanie Weigel, Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ und Tollwood

„Heile Welt Bayern? Weit gefehlt! Auch bei uns schreitet die Industrialisierung der Landwirtschaft dramatisch voran. Die nächste Regierung muss uns Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen und das Ruder herumreißen. Wir brauchen eine Kehrtwende in Bayern und das bedeutet ohne Wenn und Aber: eine enkeltaugliche, ökologische Landwirtschaft. Ohne Massentierhaltung, Artensterben und Pestizide.“

Chris Methmann, Campact

„Kurz vor der Wahl machen wir klar, dass Umweltschutz und Nachhaltigkeit Priorität haben müssen. Die BürgerInnen wollen keine Pestizide, keine Megaställe, keine Betonwüsten und keinen Smog. Was wir brauchen ist eine zukunftsfähige und umweltverträgliche Agrar- und Verkehrspolitik, die Artenvielfalt, bäuerliche Landwirtschaft und Natur schützt.“

Helga Stieglmeier, AufgeMUCkt

„Mia ham‘s satt, dass die Fakten wie fehlender Bedarf, extreme Klimaschädlichkeit, immenser Flächenverbrauch und Gefährdung der Gesundheit durch Lärm und Dreck der Menschen  ignoriert werden. Wir fordern: Endgültige Beerdigung einer 3. Startbahn, Nachtflugverbot von 22-6 Uhr, Kerosinsteuer sowie ein bayerisches Flughafenkonzept.“

Dr. Norbert Schäffer, LBV

„Für den Schutz der Biologischen Vielfalt in Bayern brauchen wir ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Dazu gehören die nachhaltige und naturverträgliche Nutzung unserer Kulturlandschaft, aber auch nutzungsfreie Großschutzgebiete, z.B. in der Laubwaldzone sowie an Donau und Isar. Mia ham’s satt! Natur statt Flächenfraß!“

Ursula Hudson, Slow Food Deutschland

„Essen ist politisch! Durch das aktuelle Lebensmittelsystem steht nicht nur die Zukunft unserer Lebensmittelproduktion auf dem Spiel, sondern auch die Zukunft unserer Kinder sowie von schon jetzt gefährdeten Ökosystemen, der biologischen Vielfalt und der für unser Überleben wichtigen nicht erneuerbaren natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser.”

Roman Kolar, Deutscher Tierschutzbund

„Wirtschaftliche Interessen dominieren immer noch den Umgang mit Tieren in unserer Gesellschaft. Die Grundlage dafür ist ein TierSCHUTZgesetz, das vielmehr einem TierNUTZgesetz gleichkommt. Aber die Interessen der Tiernutzer dürfen nicht länger ein „vernünftiger Grund“ sein, Tieren Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Es ist ein Skandal im Skandal, dass auch das Staatsziel Tierschutz hieran nichts geändert hat.“

Martin Bauhof, Umweltinstitut München

„Zu tausenden sind wir heute in München auf der Straße, tausende demonstrieren gleichzeitig im rheinischen Braunkohlerevier. Wie die bayerische, interessiert sich auch die NRW-Landesregierung nicht für Umwelt- und Klimaschutz und will RWE den Hambacher Wald roden lassen. Diese Art der Politik, die unseren Kindern die Zukunft verbaut, haben wir gründlich satt!“

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